Die Ware ist im neuen Lager angekommen, aber im Shop fehlt der Bestand. Oder beide Lager erhalten denselben Auftrag. Solche Probleme entstehen, wenn beim Anbieterwechsel nur der Transport geplant wird. Ein guter Wechselplan verbindet Warenbewegung, Bestellungen und Daten – mit klaren Zuständigkeiten für jeden Schritt.

Dieser Ratgeber hilft Dir, den Wechsel vorzubereiten: vom ersten Datenexport bis zur Freigabe des neuen Versandprozesses. Ein Versandunterbruch lässt sich damit nicht pauschal ausschliessen. Du kannst aber früh erkennen, wo er droht und welche Vorkehrungen nötig sind.

Das Wichtigste vorab

  • Neue Aufträge dürfen erst an das neue Lager gehen, wenn Bestand und Schnittstelle geprüft sind.
  • Für jede offene Bestellung muss eindeutig feststehen, welches Lager sie bearbeitet.
  • Ware unterwegs ist noch kein versandfähiger Bestand im neuen Lager.
  • Retouren und Restaufträge am bisherigen Standort brauchen auch nach dem Wechsel einen geregelten Ablauf.

1. Lege fest, was nach dem Wechsel besser sein soll

Bevor Du Angebote vergleichst, halte die Gründe für den Wechsel konkret fest. Geht es um Versandfehler, fehlende Transparenz, unpassende Kosten oder zusätzliche Zielmärkte? Aus „Der Versand soll schneller werden“ wird beispielsweise: „Freigegebene Aufträge bis zum vereinbarten Annahmeschluss sollen am selben Werktag an den Paketdienst übergeben werden.“

Vergleiche den neuen Partner anhand dieser Anforderungen und Deines tatsächlichen Auftragsmixes. Ein niedriger Pick-Preis allein sagt wenig aus, wenn Verpackung, zusätzliche Artikel, Sonderhandling oder Retouren separat verrechnet werden. Unser Ratgeber zu Fulfillment-Kosten hilft Dir, die Positionen einzuordnen.

Klärt ausserdem früh, wer auf beiden Seiten die Übergabe koordiniert. Für Warenausgang, Transport, Wareneingang, IT und Kundenservice sollte jeweils eine verantwortliche Person feststehen. Prüfe die bestehenden Vereinbarungen zu Beendigung, Auslagerung, Datenexporten und verbleibenden Leistungen, bevor Du den Umzugstermin fixierst.

2. Bereinige Artikel- und Bestandsdaten vor dem Transport

Erstelle eine gemeinsame Artikelliste für Shop, Warenwirtschaft und beide Lager. Jede Variante braucht eine eindeutige Artikelnummer, die in allen beteiligten Systemen richtig zugeordnet ist. Bestehende GTINs helfen bei der eindeutigen Identifikation von Handelsartikeln; die Grundlage erklärt GS1 Switzerland. Eine lesbare Kennzeichnung am Produkt und die korrekte Zuordnung im Lagersystem bleiben trotzdem zu prüfen.

Für die Übergabe solltest Du je nach Sortiment mindestens diese Angaben vorbereiten:

  • Artikelnummer, Variante, Bezeichnung und vorhandener Barcode;
  • Stück-, Karton- und Verpackungseinheiten sowie Masse und Gewichte;
  • physischer Bestand, Reservierungen und gesperrte oder beschädigte Ware;
  • Chargen, Seriennummern und Mindesthaltbarkeitsdaten, sofern benötigt;
  • Verpackungsregeln, Beilagen, Sets und besondere Lagerbedingungen.

Arbeite mit einem dokumentierten Bestandsstand zu einem bestimmten Zeitpunkt. Danach müssen alle Bewegungen nachvollziehbar bleiben: weitere Verkäufe, Retouren, Nachlieferungen und die Mengen, die tatsächlich verladen werden. Vergleiche im neuen Lager den gezählten Eingang mit der Auslagerungsliste. Abweichungen gehören in eine gemeinsame Klärungsliste, bevor betroffene Mengen zum Verkauf freigegeben werden.

3. Entscheide zwischen einem Stichtag und einem gestaffelten Wechsel

Es gibt keinen Ablauf, der für jedes Sortiment gleich gut passt. Die folgenden Varianten sind Planungsmodelle. Welche umsetzbar ist, hängt unter anderem von Reservebestand, Lagerkapazität und der Auftragssteuerung ab.

VarianteAblaufWorauf Du achten solltest
Wechsel zum StichtagDas bisherige Lager beendet die definierten Aufträge. Der Bestand zieht um, danach startet das neue Lager.Während Transport, Eingangskontrolle und Freigabe kann eine Versandpause nötig sein. Lieferangaben und Kundenservice müssen dazu passen.
Gestaffelter WechselEin Teilbestand oder ausgewählte Artikel werden zuerst übertragen. Das bisherige Lager versendet weiter aus dem verbleibenden Bestand.Du brauchst genügend Ware und eine zuverlässige Zuordnung der Aufträge. Mischbestellungen, Teillieferungen und doppelte Verfügbarkeiten müssen geregelt sein.

Reserviere die nötigen Zeitfenster für Auslagerung, Abholung und Wareneingang verbindlich mit den Beteiligten. Plane auch Verpackungsmaterial, Beilagen und Retourenware ein. Ein Beispiel: Ziehen die meistverkauften Artikel zuerst um, ist damit noch nicht jede Bestellung abgedeckt. Enthält ein Warenkorb zusätzlich einen Artikel am alten Standort, braucht es eine vorher festgelegte Lösung.

4. Teste den ganzen Bestellablauf

Eine erfolgreich übertragene Bestellung ist ein Anfang. Vor der Umstellung muss auch geprüft sein, ob Reservierung, Versandstatus und Tracking korrekt zurückkommen. Definiere, welches System den verkaufbaren Bestand führt und wie beide Lager während der Übergangsphase berücksichtigt werden.

Teste mit klar gekennzeichneten Testaufträgen mindestens:

  • eine normale Bestellung mit einem und mit mehreren Artikeln;
  • einen ausverkauften oder gesperrten Artikel;
  • eine Stornierung und eine Adresskorrektur zum jeweils zulässigen Bearbeitungszeitpunkt;
  • eine Teillieferung, falls sie im vorgesehenen Ablauf erlaubt ist;
  • Versandbestätigung, Tracking und Bestandsrückmeldung;
  • eine unterbrochene Übertragung und die kontrollierte erneute Verarbeitung.

Gerade beim letzten Punkt ist wichtig, dass derselbe Auftrag nicht zweimal versendet wird. Prüfe ausserdem, wer eine fehlgeschlagene Übertragung sieht, wie sie korrigiert wird und wer die erneute Verarbeitung freigibt. Mehr zu den beteiligten Systemen findest Du unter Shop- und ERP-Integrationen.

5. Halte offene Aufträge und Retouren getrennt fest

Zum Umschaltzeitpunkt brauchst Du eine Liste aller offenen Aufträge mit aktuellem Bearbeitungsstatus. Bereits gepickte oder verpackte Bestellungen sollten nicht ungeprüft nochmals ins neue Lager übertragen werden. Gleiche Auftragseingang, Versand und Stornierungen zwischen Shop und beiden Lagern ab.

Für jede Bestellung gilt: ein verantwortliches Lager und ein eindeutiger nächster Schritt. Dokumentiere auch, bis wann Änderungen noch möglich sind und ab welchem Status der Kundenservice zuerst Rücksprache halten muss.

Retouren können noch lange nach der letzten Auslieferung am bisherigen Standort eintreffen. Vereinbare deshalb eine Übergangsregelung: Wer nimmt sie an, wer erfasst den Zustand, wie kommen Daten und Ware ins neue System und wer entscheidet über Wiedereinlagerung? Aktualisiere Rücksendeinformationen für neue Bestellungen. Bereits beigelegte Retourenunterlagen lassen sich dadurch nicht nachträglich ändern. Hinweise zur Bearbeitung findest Du im Beitrag Retourenmanagement optimieren.

Was bei einem Wechsel zwischen Schweiz und EU zusätzlich zu planen ist

Unterscheide zwischen einem Wechsel des Dienstleisters und einem Wechsel des Lagerlandes. Wenn Ware über die Grenze Schweiz–EU bewegt wird, stimme den konkreten Warenfluss und die benötigten Unterlagen vor der Abholung mit Deinem Zollpartner ab. Klärt, wer welche Angaben liefert und wer die Abwicklung übernimmt. Ein Termin im neuen Lager ersetzt diese Vorbereitung nicht.

Prüfe ausserdem, ob sich durch den neuen Versandort Lieferzeiten, Versandkosten, Kundeninformationen oder die Retourenadresse ändern. Betrachte dabei jedes Zielland separat. Unser Überblick zu Fulfillment zwischen Schweiz und EU ordnet die Standortfrage ein.

6. Gib den Start anhand klarer Kriterien frei

Der Umzugstermin allein ist keine Freigabe. Händler, bisheriges Lager und neuer Partner sollten die Übergabe anhand einer gemeinsamen Liste bestätigen. Wenn ein kritischer Punkt offen ist, braucht es eine bewusste Entscheidung: Start verschieben, Umfang reduzieren oder einen abgestimmten Ersatzablauf nutzen.

Checkliste für den ersten Versandtag

  • Die freizugebenden Bestände sind gezählt, zugeordnet und mit dem Shop abgeglichen.
  • Bestandsdifferenzen und gesperrte Ware sind dokumentiert und vom verfügbaren Bestand getrennt.
  • Offene Bestellungen sind genau einem Lager zugeordnet.
  • Die vereinbarten Testfälle inklusive Fehlermeldungen und Rückmeldungen sind bestanden.
  • Verpackung, Beilagen, Versandetiketten und Abholzeiten sind abgestimmt.
  • Kundenservice und Lagerteams kennen Ansprechpartner und Eskalationswege.
  • Retouren am bisherigen Standort und verbleibende Restbestände sind geregelt.
  • Für einen misslungenen Start ist festgelegt, welche Aufträge pausiert werden und wie Kunden informiert werden.

Begleite die ersten Versandtage eng. Vergleiche täglich eingegangene, übertragene und tatsächlich versendete Bestellungen. Beobachte Bestandsabweichungen, blockierte Aufträge und fehlendes Tracking. Ein Rückwechsel ist dabei nicht einfach nur eine technische Einstellung: Bereits bewegte Ware und bearbeitete Aufträge müssen berücksichtigt werden.

Häufige Fragen zum Anbieterwechsel

Wie lange dauert ein Fulfillment-Wechsel?

Eine seriöse Zeitplanung entsteht erst nach der Prüfung von Sortiment, Daten, Schnittstellen und Übergabebedingungen. Plane die Arbeitspakete mit den Beteiligten rückwärts vom gewünschten Start. Ein kleiner, gut dokumentierter Bestand ist anders zu organisieren als ein Sortiment mit vielen Varianten, Chargen und mehreren Verkaufskanälen.

Kann der Shop während des Umzugs geöffnet bleiben?

Das kann möglich sein, wenn Bestände und Lieferzusagen korrekt abgebildet werden. Ein geöffneter Shop bedeutet aber nicht automatisch, dass ohne Unterbruch versendet wird. Lege fest, welche Artikel bestellbar bleiben, wann die Aufträge bearbeitet werden und welche Lieferzeit Kunden sehen.

Welche einmaligen Kosten gehören in die Planung?

Berücksichtige neben dem Transport auch Auslagerung, Zählung, Verpackung der Umzugsware, Wareneingang, mögliche Umetikettierung, IT-Einrichtung und eine zeitweise doppelte Lagerhaltung. Lass Umfang und Abrechnung dieser Positionen vorab bestätigen.

Du planst einen Wechsel Deines Fulfillments?

Besprechen wir Deinen Bestand, die angebundenen Systeme und Deine Zielmärkte. Gemeinsam klären wir, welche Anforderungen ein Wechsel zu Entry erfüllen muss und wie sich die Übergabe vorbereiten lässt.

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